23. Hoffnungsschimmer oder letzter Strohhalm?

Währenddessen saß Nirar in seinem Gemach und blickte erstaunt bis ungläubig auf die Szenerie, die sich vor ihm aufgetan hatte. Er hatte sich in seinen Raum zurück gezogen, als seine Diener den Zauberer zurück gebracht hatten, und dank der Kamera, die direkt über ihnen angebracht war, alles miterlebt was danach geschehen war. Auch er hatte das Geschöpf gesehen, das plötzlich aufgetaucht war, ohne dass Nirar wirklich begreifen konnte, wie das geschehen war.
Eigentlich hielten seine Barrieren jegliche Art der Magie von dem Ort fern, dennoch schien es diesem Wesen gelungen zu sein, sich der Barriere zu widersetzen. Und dann bekam er ganz große Augen, als er mitbekam, wie sich das Mädchen scheinbar in seine Obhut begab - um kurze Zeit später tot zusammen zu sacken. Ja, sie war tot - und der Zauberer erwachte! Er kehrte von den Toten zurück!

So etwas hatte selbst er noch nie gesehen. Was war da geschehen? Hatte dieses Mädchen einen Pakt mit dem Tod geschlossen? Hatte der Zauberer etwas damit zu tun? War er doch mächtiger, als es zuerst den Anschein hatte, doch wenn es so war, wieso hatte er dann den Kampf verloren? Nirar wusste es nicht, doch er würde nun erstmal dem König Bescheid geben. Arthur würde es doch bestimmt sehr interessieren, zu wissen, dass sein Magier und Freund wieder ins Leben zurück gekehrt war?!

Nirar machte sich auf den Weg in die Gemächer, in denen Arthur und die Ritter zusammen eingesperrt worden waren. Sie saßen immer noch in sich versunken da; jeder an seiner Ecke des Zimmers, und starrten an die Wand oder die Decke… Keiner von ihnen hatte in der letzten Zeit auch nur ein Wort von sich gegeben, sie wussten nicht einmal, wie viel Zeit eigentlich vergangen war.

Als Nirar die Tür öffnen ließ und in den Raum eintrat, hoben sie die Köpfe. Arthurs Augen funkelten. Sie sprühten vor Hass, und er versuchte nicht einmal, seine Gefühle zu unterdrücken. Auch den Rittern erging es ähnlich. Als Nirar eintrat, gab er seinen Wachen den Befehl, draußen zu warten. Diese nickten und Nirar schloss die Tür. Arthur stand auf und blickte ihm genau in die Augen. Mit seiner dunklen Stimme sagte er: “Was wollt Ihr? Noch mehr Schmerz über uns bringen? Das wird kaum möglich sein… Oder wollt Ihr es nun hinter Euch bringen und uns zur Exekution führen lassen? Wollt Ihr mein Reich? Das werdet Ihr nur über meine Leiche bekommen!” In Arthurs Augen sprühten Funken.

Nirar grinste ihn an und sagte: “nun, ich hatte weder das eine, noch das andere vor… Es ist etwas geschehen, und ich dachte, dass es Euch und Eure Ritter vielleicht interessieren könnte… Seht Ihr; eigentlich ging ich davon aus, dass meine Barriere, die ich über mein Reich errichtet habe, gegen jegliche Form von Magie erhaben ist, aber anscheinend habe ich mich geirrt… Es ist mir ein Rätsel, wie dies geschehen konnte, aber einer Macht ist es gelungen, in mein Gefängnis einzudringen, nachdem Merlins Leichnam dort hinein gebracht wurde - und wir sind uns ja nun einig, dass Euer Zauberer definitiv tot war, nachdem Morgana ihn besiegt hat.”

Nirar wartete Arthurs Antwort gar nicht ab, sondern fuhr fort: “Nun, etwas ist geschehen. Ich kann Euch nicht sagen, was das für ein Wesen war, das sich in mein Reich zu Euren Freunden geschlichen hat, aber anscheinend hatte es die Gewalt über Leben und Tod… Um es kurz zu machen: Euer Magier lebt! Dieses Wesen hat ihn zurück geholt - und so wie es aussieht, stattdessen ein anderes Leben genommen. Eines der beiden jungen Mädchen, und so wie es aussieht, bedeutet dieses Eurem Zauberer besonders viel, so wie er reagiert hat, als er von ihrem Tod erfahren und es begriffen hat…”

Dann schwieg Nirar. Arthur und die Ritter starrten ihn an. Zuerst konnte keiner von ihnen auch nur einen Ton sagen, doch dann ließ Arthur sich mit beinahe tonloser Stimme vernehmen: “Wenn das ein schlechter Scherz sein soll, dann kommt Euch das teuer zu stehen, das schwöre ich Euch!”… Nirar schüttelte den Kopf. “Das ist kein Scherz, weder ein billiger, noch ein guter… Wenn Ihr es wollt, dann geht zu ihnen. Überzeugt Euch selbst!”
Das ließen sich Arthur und die Ritter nicht zweimal sagen. Sie liefen an Nirar vorbei und dieser nickte seinen Wachen zu, die schon die Waffen im Anschlag hatten, als sie ihre Gefangenen sahen. “Lasst sie gehen! Sie wollen zu den Kerkern. Ich werde sie dort hinbringen und ich denke nicht, dass es auf dem Weg Schwierigkeiten geben wird, nicht wahr, Mylord?”

Arthur schüttelte nur den Kopf. Alles was er jetzt wollte war, sich selbst davon zu überzeugen, dass es der Wahrheit entsprach, was dieser Kretin ihm da gerade erzählt hatte. Merlin sollte wieder leben? Und jemand anderes war tot? Es kam jetzt erst in seinem Bewusstsein an, was Nirar da gesagt hatte: Ein Mädchen, das Merlin besonders viel bedeutet hatte? Das konnte doch nur Leeana sein!

Arthurs Mund wurde trocken. Er lief schneller. Jetzt musste er sehen, ob es tatsächlich so war. Und schließlich waren sie in dem Gefängnis angekommen. Nirar war vorgelaufen und hatte den Wachen die Erlaubnis erteilt, Arthur und die Ritter herein zu lassen. Auch diese hatten sich bereits ähnliche Gedanken gemacht. Dann traten sie ein. Was sie sahen, ließ sie zuerst erstarren. Arthur erkannte mit einem Blick, dass Merlin wieder lebte. Er kniete neben einer am Boden liegenden Person und weinte. Er weinte so, wie Arthur ihn noch nie hatte weinen sehen, und ihm war klar, dass es nur Leeana sein konnte, die er betrauerte. Auch die anderen würden Merlin leid tun, aber mit Leeana verband ihn eine einmalige und kaum zu beschreibende Beziehung, die alles andere bei Weitem übertraf - höchstens noch mit Merlins Treue und Verbundenheit zu ihm, seinem König und Freund, zu vergleichen.

Arthur und die Ritter konnten zuerst nichts sagen. Sie schauten sich noch weiter um und dann sahen sie auch Elle und Jade, die etwas abseits standen und ebenfalls weinten. Still und nicht so exzessiv wie Merlin, dennoch war ihre Trauer auch bei ihnen stark. Arthur hielt es nicht mehr aus. Er wollte jetzt und hier wissen, was geschehen war. Er hatte sich Merlins Tod nicht eingebildet. Nicht so, wie einmal zuvor bei Lucernas Trugbild! Morgana hatte ihn besiegt und im Kampf getötet! Also wie war es gelungen, ihn wieder zu beleben? Nirar sagte etwas von einem Wesen; doch auch er konnte nicht wirklich erklären, was das für ein “Wesen” war und was dieses genau getan hatte.

Langsam trat Arthur zu der Zelle vor, in denen seine Freunde gefangen waren. Nirar hatte sie öffnen lassen, doch weder Merlin noch Elle und Jade hatten darauf geachtet. Ob sie es nicht merkten oder nicht bemerken wollten, wusste Arthur nicht, dennoch trat er nun - noch - unbemerkt von allen in die Zelle ein. Auch die Ritter traten etwas vor, blieben aber dennoch außerhalb der Zelle stehen. Arthur blickte auf Merlin. Es schnürte ihm die Kehle zu. Auch ihm tat es leid, dass nun anscheinend Leeana das Opfer war, dennoch verstand er es nicht. Er wollte Merlin eine Hand auf die Schulter legen um ihn von seiner Trauer abzulenken und ihn zu fragen, was genau geschehen war, als er von Elle angesprochen wurde.

Elle hatte ihn gesehen. Zuerst hatte auch sie den König nicht registriert, doch schließlich bemerkte sie, dass jemand mit ihnen in der Zelle war. Sie drehte sich zu ihm um - und erblickte Arthur. “Sire?” fragte sie leise. “Seid Ihr unverletzt, Mylord?” Arthur blickte sie an. Die Hüterin der Elemente hatte rote Augen und auch das Mädchen, Jade, ihre Schutzbefohlene, weinte.

Arthur schluckte und nickte dann. Er ließ von Merlin ab, der seine Anwesenheit noch nicht einmal bemerkt zu haben schien und wandte sich an Elle: “Sagt mir, was hier geschehen ist! Ich habe gesehen, wie Merlin gestorben ist! Mit eigenen Augen! Nirar hat mich gezwungen, bei ihrem Kampf dabei zu sein und es zu beobachten! Merlin war stark. Er hat gut gekämpft, aber diese Brut von schwarzem Dämon hat soviel schwarze Magie angewendet - dagegen hatte er keine Chance! Und wenn er sich gewehrt hat, weil er es musste, hat sie seine Kräfte absorbiert - bis sie ihn schließlich auf diese Weise besiegt hat, wie er es bereits vorab befürchtet hatte! Also, wie ist er wieder zum Leben erweckt worden? Nirar sagte mir etwas von einem Wesen, das hierher gekommen ist, trotz der Magiebarriere - was er sich selbst nicht erklären konnte - und Merlin wieder erweckt und dabei Leeanas Leben genommen hat? Wie ist das möglich?”

Elle sah den König an. Also hatte Nirar das Geschehen beobachtet? Sie blickte nach oben. Natürlich, die Kameras… Sie wurden ausspioniert; dennoch schien es so, als wüsste Nirar nur die Hälfte. Vielleicht hatten die Kameras ja nur ein Bild, und keinen Ton, so dass Nirar in der Tat nicht alles mitbekommen hatte…
Sie blickte zu Boden und begann, Arthur alles zu erzählen: “Mylord, es war in der Tat so, dass Merlin tot war, als er hierher gebracht wurde. Als Leeana dies mitbekam, war sie so verzweifelt, dass sie etwas gesagt haben muss, was IHN hierher gelockt hat.. Dieses “Wesen”, wie Nirar es nennt, ist ein Seelenverwahrer. Er sammelt die Seelen gerade Verstorbener und bewahrt sie solange bei sich, bis der Tod kommt, und sie holt. Vielleicht war das der Grund, wieso er gegen die Barriere hier immun war… Jedenfalls hat Leeana ihm von sich aus und aus freien Stücken ihre Seele zum Tausch gegen Merlins Leben angeboten. Der Seelenverwahrer sagte, dass er einmal die Möglichkeit hat, sofern die Seele noch in seinem Gewahrsam ist, diese gegen eine andere zu tauschen, wenn es aus freien Stücken geschieht. Das war bei Leeana der Fall. Sie hat ihn geradewegs angebettelt, Merlin wieder zu beleben… Glaubt mir, ich habe versucht, es ihr auszureden, doch es war unmöglich. Sie hat dabei nur an ihn gedacht… Sie liebte ihn wie einen Bruder, und sie konnte ohne ihn nicht weiter leben…”

Dann blickte Elle Arthur erneut ins Gesicht: “Doch sie dachte nicht nur an Merlin, Mylord. Sie hat auch an Euch und Camelot gedacht. Sie sagte, dass Merlin ein großer Magier ist, und dass sie an ihn und seine Kräfte glaubt, auch, wenn er diesen, jetzigen Kampf mit Morgana verloren hat. Dennoch glaubte - nein wusste! - sie, dass er beim nächsten Mal siegen wird. Sie vertraute auf seine Stärke. Und sie sagte, kurz bevor sie mit IHM ging, dass sie auch Euch liebt - so wie man einen König nur lieben kann.. Das sollte ich Euch von ihr ausrichten. Es waren ihre letzten Worte, Mylord…” Dann senkte Elle den Kopf.

Arthur war schwindelig von Elles Worten. Leeana hatte sich geopfert? Sie hatte sich freiwillig einem “Seelenverwahrer” - quasi dem Stellvertreter des Todes - übergeben, damit dieser Merlins Seele wieder frei ließ? Und sie hatte es nicht nur Merlins wegen getan, sondern auch für Camelot und ihn? Das war in der Tat mehr, als er erwartet hatte. Arthur wusste, dass Merlin und das Mädchen eine treue Bindung zueinander hatten, aber dass es so tief war, dass die Liebe dieses Mädchens zu Merlin soweit ging, dass hatte selbst er nicht geahnt. Und die Treue zu ihm und Camelot…
Arthur antwortete nicht, sondern trat ein paar Schritte auf Merlin und auf Leeanas Leichnam zu - und kniete sich neben sie. Er beugte sein Haupt und sagte: “Ich stehe in deiner Schuld, Leeana, und werde es niemals wieder gut machen können, was du für mich, Camelot und uns alle getan hast. Ich danke dir, wo auch immer deine Seele nun sein mag”… Dann hielt er inne und bekreuzigte sich. Er schloss die Augen und betete…

Die Ritter hatten erstaunt bis vollkommen erschüttert zugehört und besonders Gwain war vollkommen erschlagen von dem, was sie jetzt erfahren hatten. Als Arthur sich neben Leeanas Leichnam kniete und begann ihr die letzte Ehre zu erweisen, taten sie es ihm nach.
Sowohl Sir Gwain, als auch Sir Leon und Sir Lancelot knieten sich vor der Zelle hin und begannen ebenfalls, für Leeanas Seele zu beten. Elle und Jade waren gerührt. Sie sagten nichts, und Jade drückte sich an Elles Körper, die sie ebenfalls umarmte. Die Trauer hatte sie alle noch immer im Griff.

Merlin hatte sich in seine Welt verkrochen. Es war heiß um ihn herum, ein Wechselbad der Gefühle; Trauer, Wut, Hass… Unverständnis, über das, was Leeana für ihn getan hatte. Warum? Sie sollte so etwas nicht für ihn tun! Das war er überhaupt nicht wert! Er war schwach gewesen; er hatte den Kampf gegen Morgana verloren! Sein Tod war verdient gewesen - aber doch nicht ihrer!
Und nun hielt er ihren Leichnam in den Händen und wusste nicht, was er tun sollte. Er wollte sterben. Er wollte an ihrer Stelle sein, so, wie es normalerweise auch seinen Sinn gehabt hätte! Noch hatte er weder Arthur, der auf der anderen Seite neben Leeana kniete, noch die Ritter bemerkt, die sich hinter der Zelle auf den Boden gekniet hatten. Er hatte die Augen geschlossen, und ein Gedanke jagte ihm durch den Kopf. Es musste einfach funktionieren! Ohne die Augen zu öffnen fuhr sein Kopf hoch und er schrie ins Leere hinein: “Komm raus und zeig dich! Ich will dich sehen!!! - Kramani hinam!”

Arthur und auch die Ritter fuhren auf. Was tat Merlin da? “Merlin? Was soll das??” fragte nun Arthur. Er machte sich extreme Sorgen. Was hatte der Zauberer vor? Merlin fuhr zu ihm herum und starrte ihn an. “Arthur? Seit wann Seid Ihr hier?” “Schon eine ganze Weile, Merlin - und ich möchte wissen, was du gerade getan hast!” - Die Antwort folgte auf dem Fuße. Elle und Jade fuhren auf, als sie IHN erkannten. Es war der Seelenverwahrer, der erneut vor ihnen stand. “Der Zauberer… Ihr seid wirklich sehr stark! Dass es Euch möglich ist, mich zu rufen, und dass hier in diesem magiefreien Raum… Nun, woran es auch immer liegen sollte; Sagt mir, was Ihr von mir wollt; ich habe Euch gerade erst freigelassen, wie Ihr inzwischen wissen müsstet…”

Merlin sah ihn mit versteinerter Miene an und beachtete weder Arthur noch Elle und Jade, die ihn ebenfalls misstrauisch beäugten. Was hatte Merlin jetzt vor?
Er würde doch keine Dummheiten machen? Arthur ahnte etwas und begann erneut: “Merlin!”… Doch dieser ignorierte ihn. Er blickte zum Seelenverwahrer und sagte dann mit bebender Stimme: “Gebt ihre Seele frei - ICH bin derjenige, der gestorben ist, und das rechtmäßig! Ich verdiene es zu sterben, nicht sie! Ihr habt ihre Seele gegen meine getauscht, obwohl ich dies niemals gebilligt hätte! Ich will, dass Ihr dies rückgängig macht! Nehmt mich und Lasst sie gehen!”

Arthur blickte ihn entsetzt an. War er nun von allen guten Geistern verlassen? Das konnte doch nicht sein Ernst sein?!… “Merlin!”.. begann er erneut, doch dieses Mal wurde er von dem Seelenverwahrer unterbrochen, der ihn nur einmal kurz ansah - und Arthur war nicht mehr in der Lage, zu sprechen, wie Elle kurze Zeit zuvor. Doch seine Blicke sprachen Bände, als er Merlin anstarrte.

Dieser blickte nicht zurück, sondern nur zu dem Wesen hin, das seiner Meinung nach für Leeanas Tod verantwortlich war. Der Seelenverwahrer blickte zurück. “Anscheinend habt Ihr es nicht verstanden oder es wurde Euch nicht richtig erklärt.. Ich sage es Euch noch einmal: Ich bin nicht der Tod und ich bestimme auch nicht darüber, wer stirbt und wer lebt. Ich verwahre nur die Seelen derer, über die das Schicksal entschieden hat. In großen Ausnahmefällen, kann ich einmal - und nur EINMAL! - einen Seelentausch vornehmen - wenn derjenige, der sich dazu bereit erklärt, es freiwillig tut. In Eurem Fall war es so. Das Mädchen hat sich für Euch geopfert, freiwillig! Wenn dies nicht so gewesen wäre, dann wärt Ihr jetzt nicht hier! Denn die Seele entflieht nur ihrem Schicksal, wenn die andere Seele, die ihren Platz einnimmt, eine freie Seele ist! Sie ist dazu in der Lage, dies zu merken! Und so hat nun Leeanas Seele Euren Platz eingenommen - und Eure Seele ist zurück gekehrt! Noch einen Austausch wird es nicht geben! Auch, wenn Ihr mich noch tausendmal ruft, es wird Euch nichts nutzen.. Ihr vergeudet nur Eure kostbare Zeit… Und nehmt dem Mädchen die Gelegenheit eines würdigen Abschieds…” Er blickte zu ihr herüber.

Arthur schluckte. Ihm war schon klar, was Merlin hier tat. Er kämpfte. Er kämpfte darum, Leeana ihr Leben wieder zu geben, doch das würde bedeuten, seins erneut zu verlieren! Und das würde er nicht zulassen! Abgesehen davon, war es wohl auch gar nicht mehr möglich, wenn er diesen “Seelenverwahrer” richtig verstanden hatte, denn Merlins Seele war schon einmal ausgetauscht worden! Und es war nur ein Austausch möglich.. Bevor er etwas sagen konnte, hörte er Merlins Stimme erneut. Aus ihr klang Verzweiflung und ein wenig Aggression: “Ich akzeptiere das nicht! Sie MUSS leben! Es kann nicht sein, dass sie so ein Opfer für mich bringt - das ich gar nicht will! Ich will das nicht, Versteht Ihr das nicht??” Das letzte hatte er geschrieen. Der Seelenverwahrer blickte ihn erneut an. Sein Gesicht war ausdruckslos und Arthur konnte sich nicht dagegen wehren, dass ihm eine Gänsehaut über den Rücken lief… “Ich verstehe Euch schon, Zauberer… Dennoch ist es Gesetz! Und ich habe nicht die Macht dazu, es zu ändern.” Etwas an dem Satz ließ Merlin aufhorchen. Täuschte er sich, oder hatte dieser Verwahrer der Seelen eben das Wort “Ich” extrem betont? Er fragte nach: “Ihr könnt es nicht ändern? Gibt es jemanden, der es kann?”

Arthur wollte ihn erneut stoppen. Wohin führte das jetzt hier? Doch Merlin bekam seine Antwort. “Nun, sagen wir es mal so: Ich bin nicht die höchste Instanz - ich entscheide nicht über Leben und Tod… Habt Ihr schon einmal etwas von den Nebelbergen gehört? Dort gibt es Wesen, die über noch mehr Macht verfügen, als Ihr es Euch vorstellen könnt - auch über das Leben und den Tod… Doch dass es Euch gelingt, dorthin zu kommen, wage ich zu bezweifeln… Es ist bis jetzt noch keinem Lebenden gelungen, bis zu diesen Wesen vorzudringen. Die meisten werden nicht mal bis zu ihrer Grenze durchgelassen… Aber Ihr? Nun, vielleicht schafft Ihr es.. Doch wenn, dann Müsst Ihr Euch beeilen, Zauberer - noch habe ich ihre Seele bei mir, doch wenn der Tod sie sich holt, ist alle Hoffnung verloren. Dann bekommt sie niemand mehr…” Und damit verschwand er, einfach so ohne ein weiteres Wort.

Arthur konnte wieder reden. Er stürzte zu Merlin: “Was sollte das, Merlin? Was hast du damit bezweckt? Leeana hat sich für dich geopfert! Sie wollte, dass du die Möglichkeit hast, wieder frei zu sein! Dein Leben zu leben und für mich und Camelot zu kämpfen! Deswegen hat sie es getan - du solltest das respektieren und ihr die letzte Ehre erweisen, anstatt dich der verzweifelten Hoffnung auf “Wiedergeburt” hinzugeben! Sie ist tot, Merlin! Und sie wird es auch bleiben. Wir werden ihr die letzte Ehre erweisen - in Camelot! Und du wirst das akzeptieren! Keine Alleingänge! Keine Dummheiten! Hast du mich verstanden?”

Merlin sagte nichts. Verstanden hatte er Arthur, doch er hatte andere Pläne. Er hatte nun erfahren, dass es eine Möglichkeit gab, Leeanas Seele eventuell noch zu retten - wenn er diesen Ort finden würde - die Nebelberge… Gehört hatte er schon einmal von ihnen, doch das war mehr eine Sage gewesen, eine Geschichte, mit der man Kinder erschreckte. Dort sollten Geister hausen; Geister der alten Welt, noch vor Uther Pendragons Zeiten und weit, weit davor… Was genau diese Geister für ihn tun konnten wusste er nicht, doch das war zweitrangig. Er wusste, was er nun als nächstes tun würde, und es war ihm egal, was Arthur davon halten würde. Es musste ihm gelingen, sich fortzustehlen und dann diesen Ort zu finden. Doch zuerst hatten sie ein ganz anderes Problem: Wie sollten sie von hier fortkommen? Selbst wenn sie nach Camelot zurück kehren würden, wie Arthur es vorhatte, mussten sie erst einmal hier heraus! Würde Nirar sie einfach so gehen lassen?…

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Christal, 31
Traumland